Tag 24 Samstag 31.10.2015

Foto des Tages

Willkommen in der Realität. Nachdem 3 ½ grandiose Wochen hinter uns liegen, lief es heute nicht ganz wie wir es erwartet hatten. Am Ende sind wir zwar wieder happy und zufrieden, aber zwischendurch hatten wir doch den einen oder anderen Hänger.

Ganz ursprünglich hatten wir geplant, dass wir heute in den Cotopaxi Nationalpark fahren und morgen zum Quilotoasee. Dafür hatten wir die ideale Unterkunft gefunden, denn unsere kleine Hazienda etwas außerhalb von Lasso liegt in Sichtweite vom Cotopaxi und damit optimal zum Parkeingang und auch die Tour zum Quilotoasee lässt sich hier gut starten. Gebucht hatte ich dafür einen kleinen Wagen, in der Hoffnung, dass wir vielleicht vor Ort ein Upgrade bekommen. Für ein geländefähiges Auto war ich zu geizig, da ich keine Notwendigkeit sah. So viel vorweg und jetzt die Schilderung des Tagesablaufs.

Pünktlich brachte uns unser Fahrer zum Flughafen, wo wir unser Zwergenauto in Empfang nahmen. Natürlich gab es diesmal kein Upgrade. Dann musste ich unterschreiben, dass mir die Autovermietung eventuelle Strafmandate direkt und ohne Widerspruchsmöglichkeit von meiner Kreditkarte abzieht. Das scheint in Ecuador so üblich zu sein, Mike hatte vorgestern so etwas auch angedeutet. Wohl ist mir dabei nicht, dass ist ein wenig wie ein Freifahrtschein, für die uniformierten Jungs vom Straßenrand.

Das wir nicht in den Cotopaxi Nationalpark können wussten wir, der höchste, aktive Vulkan der Welt spuckt seit dem 14.08.15 Gase und auch mal Asche. Der Nationalpark ist aus Sicherheitsgründen gesperrt. Wir hatten zwar bis zum Schluss die Hoffnung, dass er wieder geöffnet wird, aber wir hofften vergebens. Unser Ersatzprogramm sah einen schönen Wellnesstag in den wunderschönen Thermen von Papallacta vor. Da der Wagen aber so klein ist, dass wir das meiste Gepäck auf der Rückbank transportieren müssen, ließen wir diese Alternative auch fallen. Es war uns zu riskant, dass ganze Gepäck sichtbar im Wagen zu lassen.  

Also fuhren wir direkt ins Hotel, bei  sehr starkem Verkehr, der durch das Wochenende und zwei folgende Feiertage verursacht wurde. Auch das Wetter spielte nicht mit. Die Straße der Vulkane soll landschaftlich traumhaft sein, haben wir vor lauter Wolken aber nicht gesehen.

Hier einige Hintergründe zur Straße der Vulkane: Den Namen hat sie von Alexander Humboldt, der sie von Quito aus bereiste und fasziniert war von der Menge der lavaspuckenden Berge. Insgesamt wurden 73 Vulkane gezählt, von denen heute noch 17 aktiv sind.

Franziska hatte uns die Zufahrt zum Hotel genau aufgemalt, trotzdem haben wir die Abzweigung nicht gefunden. Nach 5 km gedreht und einen erneuten Anlauf genommen, diesmal noch besser vorbereitet. Was nutzt die beste Vorbereitung, wenn man die Öffnung zwischen zwei Bäumen nicht als Straße wahrnimmt. Nichts, denn man fährt wieder daran vorbei. Im dritten Anlauf hat es geklappt und ich habe meinen Geiz bei der Autoanmietung bereut. Die Straße war keine Straße und auch kein Weg, es war praktisch Loch an Loch, und wenn kein Loch da war waren es Huckel. Die Anfahrt war nicht wirklich schön.

Wenn Ihr dann noch gesehen hättet, wie es neben der Straße aussah, Ihr hättet verstanden, warum unsere Laune nicht die beste war. Im Auto entschieden wir trotzdem, wir bleiben zumindest eine Nacht, denn wer weiß, ob wir an diesem Wochenende noch ein vernünftiges Zimmer bekommen.

Endlich bei der Hazienda angekommen, empfangen uns gleich vier ausgewachsene Bernhardiner und ein netter Schweizer. Ihm gehört die Hazienda, zu der ich später noch was schreibe. Unser Zimmer ist klein, sauber und ok. Der erste Lichtblick des Tages war dann der Aufenthaltsraum inklusive Restaurant und Bar. Absolut passend und urgemütlich. Aber den nutzen wir später.

Was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Tag. Quilotao wäre möglich gewesen, aber es zog auch ein Gewitter auf und so verwarfen wir die Idee. Also fuhren wir ins 25 km entfernte Latacunga mit der Absicht irgendwo draußen zu sitzen, etwas besseres W-Lan als auf der Hazienda zu haben und einfach nur Menschen zu beobachten.

Im Reiseführer wird die Stadt als verschlafen, sauber und zu Festen bezaubernd beschrieben. Ehrlich, es gibt nur 3 Möglichkeiten, der Autor war so besoffen, dass er das historische Viertel  von Quito mit Latacunga verwechselt hat, er wurde vom Bürgermeister von Latacunga bestochen, oder er war nie da. Keine Ahnung was stimmt. Das letzte Mal das wir ein solches Dreckloch gesehen haben, war in China, in Chongching. Wir haben dann in einem Straßenrestaurant einen ½ Hahn gegessen mit Suppe, Pommes, Reis, Salat und 2 Cola, für 6 $. Das Essen war ok, der Preis sensationell. Dann aber ab zurück zur Hazienda.

Diesmal wussten wir was kommt und so war alles halb so wild. Als wir bei der Hazienda waren, waren wir sogar fasziniert, denn der Cotopaxi war frei, ein tolles Gefühl, ihm so nahe zu sein, dem Giganten von Ecuador. Meine Hotelbewertung befindet Ihr hier

Anschließend machten wir einen Spaziergang und haben ein paar Fotos vom Cotopaxi gemacht.

Gerade zurück, trafen wir den Chef und kamen ins Gespräch. Ich fragte ihn, wie man hier ein Hotel betreiben kann. Der Grund ist natürlich genau der, warum wir das Haus gebucht haben, es liegt ideal zum Park und zum Quilotaosee.

Im Moment läuft das Geschäft allerdings schleppend, verursacht durch die täglichen Gasausbrüche des Cotopaxi und die dazugehörenden entsprechenden Berichte des Boulevards und auch seriöser Zeitungen. Dabei ist das alles unbegründet sagt er engagiert, denn die Hazienda liegt 180 Meter außerhalb des roten Bereichs. 180 Meter, nicht viel denke ich. Er erläutert weiter, es ist relativ gefahrlos, denn wenn sie mal 180 Meter in Richtung Cotopaxi gehen, schneiden sich dort zwei tiefe Täler in die Ebene, die flüssige Lava weg von der Hazienda lenken würde.

Jetzt sitzen wir in dem urgemütlichen Raum, der Kamin ist an und wir sind wirklich total happy, denn die Atmosphäre hier ist super. Nachher gibt es noch Abendessen und wir werden lesen oder spielen. Hier ist es übrigens frisch, aber trotzdem wahrscheinlich angenehmer als in Hannover, denn die Luft ist eine trockene Bergluft.  Die Hazienda liegt auf einer Höhe von 3150 Meter.

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