Tag 21 Mittwoch 28.10.2015

Diesen Tag und wahrscheinlich den ganzen Aufenthalt kann man sehr gut mit der Aufschrift meines T-Shirts überschreiben. „Schaue tief in die Natur und Du wirst alles besser verstehen“. Foto des Tages:

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Seid bitte nicht geschockt, aber wecken war um 5 Uhr, ½ 6 Uhr Frühstück, 6 Uhr startet die erste Tour. Ja, wir machen Urlaub und das alles freiwillig. Grund für diese unchristliche Zeit sind die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit, die in der Zeit zwischen 11 und 16 Uhr definitiv nicht zu irgendwelchen Aktivitäten einladen.

Wir haben wieder Glück, alle anderen Gruppen, ca. 30 Leute, haben sich zusammengetan und fahren zu einer Stelle, an der Papageien Salz schlecken. Diese Tour machen wir lieber morgen exklusiv.

In der Nähe der 1992 erbauten Lodge, wurde Anfang dieses Jahrtausend die erste und einzige Hängebrücke Ecuadors erbaut. Diese Hängebrücke (siehe unten) ist knapp über den Wipfeln der Bäume und bietet einen tollen Überblick und die Gelegenheit Vögel und andere Tiere zu beobachten.

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Hier habe ich gelernt, dass es bei Beobachtungen dieser Art weniger auf den Fotoapparat, als auf ein gutes Fernglas ankommt. Hiermit war ich ja, dank der Kollegen, sehr gut ausgerüstet. 

Trotzdem war es erstaunlich, wo Boliver und Franzika Vögel gesehen haben, wo wir schon froh waren einen Baum zu erkennen. Aber  man gewöhnt sich daran und nach einiger Zeit konnte ich stolz meinen ersten Tucan vermelden.

Wir haben nicht nur Vögel gesucht und gefunden, interessant war auch, wie die immer höher steigende Sonne die Farben des Waldes verändert hat.

Hier ein paar Fakten zur Brücke: Ursprünglich waren es 2 Türme, die in einem zweiten Schritt mit einer schmalen Hängebrücke verbunden wurden. Diese Konstruktion war allerdings zu instabil und so wurde ein dritter Turm mit einer Mittelplattform hochgezogen. Die Brücke ist 36 Meter hoch und man muss 180 Stufen erklimmen um auf die Plattform zu kommen.

Nachdem wir oben angekommen waren und von und die ersten Vögel gesichtet hatten, schickte Franziska Gaby auf die Brücke. Gaby ging auch sofort los, allerdings wurde es ihr nach einigen Metern dann doch zu wackelig und sie ließ Franziska an die Spitze unserer kleinen Gruppe marschieren.  

Auf den drei Plattformen haben wir uns ca. 1 ½  Stunden aufgehalten, dann hatten wir fast 40° Grad (28° im Schatten) und uns wurde es zu heiß.

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Auf der Brücke und auf dem Rückweg zur Lodge gab uns Franziska interessante Erklärungen zu Tieren und zur Vegetation.

So erklärte sie z.B., dass der Schnabel bzw. der Biss des Tucan nicht wirklich kräftig ist, im Gegensatz zu den Schnäbeln anderer Papageienarten. Vielmehr benötigt der Tucan den Schnabel als Werkzeug für alle Fälle (Leatherman). Dieser große Schnabel ist für die Regulierung der Körpertemperatur zuständig. Der Tucan sieht ja gut aus, aber er ist bei seinen Vogelkumpels nicht wirklich beliebt, da er ein erfolgreicher Nesträuber ist. Der Tucan ist eben nicht gut zu Vögeln.

Nachdem wir die Türme wieder verlassen hatten, schlugen wir uns noch 2 Stunden durch den Dschungel und sahen kleine Affen und einen völlig wildwuchernden Baumbestand. Es herrscht keine Ordnung im Dschungel, nur mühsam konnte ich Gaby davon abhalten für Ordnung zu sorgen.

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Wie bereits oben erwähnt, hat uns Franziska viel über den Regenwald und die Vegetation erzählt. All diese Geschichten und Weisheiten zu schreiben würde den Rahmen sprengen. Wer aber Interesse hat, kann uns ja zu Hause Fragen stellen zu: der Aufhängung des Gehirns beim Specht, den Wüstenboden im Regenwald, Lianen rauf und runter oder warum der Anbau von Monokulturen auf abgeholzten Gebieten des Regenwalds keinen Sinn macht. Vielleicht wisst ihr das ja alles, wir wussten es nicht, also war es wirklich sehr schön, lehrreich und kurzweilig.

Nach unserer Rückkehr gingen wir ins Schmetterlinghaus der Anlage und sahen wunderschöne Falter. Hier erfuhren bzw. sahen wir einiges über die Entwicklung eines Schmetterlings.   

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Gegen 11 Uhr waren wir zurück im Quartier. Schnell machten wir uns fertig, um im Haussee im Schwarzwasser zu baden. Im See hat seit 8 Wochen ein Otterpärchen sein zu Hause, da das Männchen sehr verspielt ist, mussten wir aufpassen, dass er ausreichenden Abstand (am anderen Seeufer) hatte, denn er hat lange Zähne. Die Dauergäste im See, die Piranhas, sind dagegen nicht gefährlich. Auch schön, wenn man sagen kann, ich war mit Piranhas schwimmen. Es lässt sich hier gut schwimmen, u.a. auch deshalb, weil den See Strömungen durchziehen, die dafür sorgen, dass es abwechselnd kalt und fast heiß wird.

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Der gelungene Vormittag wurde mit einem guten Mittagessen abgeschlossen. Danach war Siesta angesagt, die wir auch brauchten, das Klima ist anstrengend.

Am Nachmittag waren Boliver, Franziska und ich zuerst ohne Gaby unterwegs. Wir haben eine gut einstündige Wanderung durch den Regenwald gemacht. Wenn ich jetzt schreibe, wir haben uns nach Fröschen, anderen Reptilien und Pflanzen umgesehen, sehe ich es direkt vor mir, wie der ein oder andere die Nase rümpft und denkt, boah wie langweilig. Kann ich nachvollziehen, aber es war nicht langweilig. Wenn man bewusster durch die Natur geht, sieht man erst, wie phantastisch sie ist. Ich ging viel aufmerksamer durch den fast zugewachsenen Weg und Franziska hat weitere Weisheiten zur Cleverness der Natur beigesteuert, die diesen Gang höchst unterhaltsam gestaltet haben.

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Vielleicht habt ihr ja Fragen zur mörderischen Würgefeige, oder wollt wissen wie sich die wilde Papaya vor ungewollten Besteigungen schützt. Na Mädels Interesse an weiteren Infos? Auch eine interessante Frage ist: „warum holt der Ruby Poison Frog seine Kaulquappen vom Baum“. Dass er sie in schwindelerregender Höhe vorher abgelegt hat, ist Euch sicherlich bekannt, dass weiß doch jeder.

Vielleicht interessiert es euch auch, wie sich eine bestimmte Art der Passionsfrucht vor der Gefräßigkeit von Schmetterlingen oder denen, die es mal werden wollen, schützt. All diese Fragen beantworten wir gerne zu Hause. Natürlich nur, wenn ihr es nicht schon wisst und es auch wissen wollt.

Meistens zeigen die Antworten auf, wie die Natur auf bestimmte Ereignisse reagiert und das hat Franziska mit Unterstützung von Bolivar heute wirklich gut rüber gebracht.

Nach unserer Rückkehr, Gaby wartete schon am Steg, unternahmen wir noch eine kurze Fahrt mit dem Kanu über den See. Die Stille war beeindruckend.

Zurück im Zimmer, ging es gleich unter die Dusche, ein geniales Gefühl im Urwald zu duschen, vom Wald nur getrennt durch ein Moskitonetz. Das gilt nicht nur für die Dusche, das ganze Zimmer hatte kein Fenster, sondern nur Moskitonetze.

Das BBQ verbrachten wir mit Boliver, Franziska und Mike dem technischen Hotelmanager bei abwechslungsreichen und spaßigen Gesprächen. Mike kommt aus Bamberg und lebt seit 30 Jahren zufrieden in Ecuador. War echt eine gute Runde. Warum waren wir eigentlich die Letzten?

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