28.02.2016, ein schöner, sonniger, kalter Sonntag ohne eine Wolke am Himmel. Fast so wie bei den Geysiren von El Tatio (Südamerika), allerdings fehlen heute die Geysire. So fuhr ich dick eingepackt mit dem Fahrrad in mein Linden, zur Limmerstraße. Meinen Spaziergang über die Limmerstraße starte ich am Freizeitheim Linden.

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Damals gab es hier noch eine Bücherei, hier lieh ich mir meine Kindheitslektüre aus, alle 5 Freunde Bände habe ich verschlungen. Hier wurde der Kasperl angefeuert und das Krokodil ausgebuht und auch die rote Grütze war legendär (siehe Foto). 

Aber als ich jetzt vor dem Flachbau stehe, der auf mich unverändert wirkt, denke ich als erstes an meine erste Geschäftsidee, die ich Mitte der 60-iger entwickelte. Am Freizeitheim war genügend Platz, also warum sollte ich hier nicht meinen Stand aufmachen und meine alten Sachen vertickern. Anfangen wollte ich mit dem Tapeziertisch von Mutti und Papa, aber da ich Wachstum erwartete, war die Holzhütte als Ausbaustufe bereits geplant.

Da das Freizeitheim damals ein zentraler Anlaufpunkt war, hatte meine Standortanalyse ergeben, dass ich von hier aus mein Imperium aufbauen könnte. Eine Kundendatenbank hatte ich natürlich noch nicht und so musste ich mich früh auf meinen Bauch verlassen. Als ich loslegen wollte, stoppte mich meine Mutter. Sie erzählte mir was von Genehmigungen, Steuern und lauter anderen, für mich völlig überflüssigen Dingen. Das alles interessierte mich nicht, ich wollte doch nur verkaufen. Spricht hier schon der Vertriebler? Irgendwie erinnert mich meine Denke von damals auch an das heutige Handeln mancher Reisebüroexpedienten und Inhaber. Wenn ich so zurückdenke, war Mutti die erste Controllerin in meinem Leben, sie argumentierte zwar nicht mit Zahlen sondern mit Regeln, aber irgendwie gibt es da auch nur unwesentliche Unterschiede.    

Gut werdet ihr jetzt sagen, warum bist Du nicht zum Flohmarkt gegangen, dort hättest Du alles an den Mann oder die Frau bringen können. Die Jüngsten von Euch werden sagen, deine Lösung ist E-Bay. Gut, dass es E-Bay in den 60-igern noch nicht gab wird nur die wenigsten überraschen. Aber in Hannover gab es damals auch noch keinen Flohmarkt, dass wird für einige doch neu sein. Vielleicht war ich der Zeit einfach nur voraus.

Der erste Flohmarkt in Hannover wurde übrigens erst 1967 durchgeführt und das auch nur unregelmäßig. Bis zu mir oder bis zu meinen Eltern ist es auf jeden Fall nicht durchgedrungen. Erst Mike Gehrke, ein  kreativer Geist, eröffnete den regelmäßigen Flohmarkt am Hohen Ufer im Jahre 1972. Irgendwann in 72 oder 73 war ich dann auch Verkäufer auf dem Flohmarkt und habe mir so die eine oder andere Mark verdient.

Aber Mutti hatte bereits vorher Mitleid mit mir und bei meiner nächsten Geschäftsidee unterstütze sie mich, auch gegen die Regeln. Natürlich war ich seit Mitte der 60-iger Stammgast bei den Heimspielen von 96. Schnell erkannte ich, dass die Getränkeverkäufer mit einer für mich enormen Gewinnspanne arbeiteten. Ich bezahlte für die Cola und Fanta bei den ersten Diskountern im Land 0,42 DM. Bei den Roten wurden diese Getränke, genau wie Bier, aber für 1,- DM verkauft. Also kauften mein Freund Thomas und ich jeweils zwei Paletten Cola und Fanta im Discounter und verkauften diese vor dem Stadion für 1,- DM pro Dose. Meine liebe Mutti hat uns und unsere Paletten immer bis zum Stadion gefahren, danke dafür.

Nachdem wir unsere Ware lauthals angepriesen und verkauft hatten, wir brauchten keine 20 Minuten, ging es ins Stadion, natürlich ohne gültige Eintrittskarte. Leider konnten wir auch diese Idee nicht allzu häufig durchziehen, da uns neidische, lizensierte Getränkeverkäufer den Erfolg nicht gönnten. Ich hoffe, alle meine Vergehen sind heute verjährt, allerdings habe ich mit meiner Offenheit auch Bedenken, denn die Polizei könnte mein Geständnis nutzen, um die unterirdische Aufklärungsquote zu verbessern. Wofür zahle ich eigentlich Steuern?

An all diese Erlebnisse musste ich denken, als ich nach langer Zeit wieder vor dem Freizeitheim Linden an der Limmerstraße stand und meinen Spaziergang begann. Der nächste Teil meines Spaziergangs folgt schon in Kürze.

Zum Abschluss noch einige Hintergrundinformationen zum Freizeitheim Linden. Es war und ist es noch immer, eine Kulturstätte für die Lindener Bevölkerung. Die Bezeichnung Freizeitheim geht auf den damaligen Oberbürgermeister Karl Wiechert zurück. Ihm gefiel die angedachte Namensgebung „Begegnungsstätte Linden“ nicht, er wollte, dass sich die Bevölkerung in der wenigen zur Verfügung stehenden Freizeit weiterbildet. Diese Aufgabe sollte die Kulturstätte erfüllen, daher der Name.

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Schön finde ich auch, wie schnell das Bauvorhaben umgesetzt wurde. 1956 kam die Idee auf. 1958 wurde die Idee in die Politik gegeben. Im September 1959 wurde der Bauauftrag vergeben, im November 59 wurden die ersten Löcher gebuddelt. Am 28.01.1961 wurde das Haus dann als erstes Freizeitheim in Deutschland eröffnet. Wenn ich da heute an das Debakel bei der Brücke des Südschnellwegs über die Hildesheimer Straße denke, kein Vergleich. Im Juli 2012 wird die Brücke teilweise gesperrt, im Januar 2016 wird das Ergebnis eines Ideen-Wettbewerbs vorgestellt. Bis 2023 laufen die Prüfungen auf Machbarkeit, die Ausschreibungen, Genehmigungen etc.. Baubeginn 2023, Fertigstellung in 2027, wenn überhaupt. Obwohl die Macher des Freizeitheims noch keine digitalen Möglichkeiten zur Verfügung hatten,  waren sie doch wesentlich schneller. Woran das wohl liegt, wofür zahle ich eigentlich Steuern?

Anfangs diente das Freizeitheim neben der Jugend auch vor allem den Rentnern des Arbeiterviertels. Hier war es warm und so konnte man zu Hause Kohle und Briketts sparen. So wurden im Freizeitheim lange Skatrunden angemischt.

Ich habe mir auch mal das aktuelle Programm im Freizeitheim angesehen, wirklich lohnenswert. Ihr findet es unter www.fzh-linden.de     

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Kommentare   

Timothytymn
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