IMG 6509 01 webNun geht es endlich los, los auf die Kultstraße der Lindener, auf die Limmerstraße, wie sie seit 1861 heißt.  Aber bin ich in Linden oder bin ich in Limmer? Schon im Jahre 1909 wurde Limmer von der Industriestadt Linden eingemeindet. 1920 wurde dann die Stadt Linden inklusive Limmer von Hannover geschluckt. Linden besaß durch die Eingemeindung Limmers neben der Hanomag  auch die Hannoversche Gummiwerke Excelsior, die 1928 in die Continentalwerke übergingen. Damit war Linden das industrielle Zentrum Hannovers.

Interessant auch, dass die Hannoveraner schon damals Sparfüchse waren, denn man hat mit der Eingemeindung solange gewartet, bis Linden endlich, Jahre später als andere Städte, eine funktionierende Kanalisation hatte. Dadurch haben die Hannoveraner ihre Steuergelder anderweitig einsetzen können. Linden wurde auch in den Folgejahren nicht gerade großzügig mit Steuergeldern versorgt.Ein Beispiel dafür ist der große U-Bahnbau in den 70-igern, in jede Richtung wurde gebuddelt, nur nicht zu den Arbeitern nach Linden.  Das war leider so und da ändert auch die aktuelle Diskussion um die aus meiner Sicht unsinnige Geldverschwendung für die D-Linie nichts.  

Linden und Limmer bilden bis heute einen gemeinsamen Bezirk, den Stadtbezirk 10. Für mich als echter Lindener Butjer ist Linden Linden und Limmer beginnt hinter dem Westschnellweg und ist mal geradeso geduldet. Allerdings gehört Linden für mich auch immer zu Hannover und ich fühle mich als Hannoveraner und als Lindner Butjer.

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Anscheinend gibt es auch heute noch Irritationen darüber, wo Linden aufhört und Limmer beginnt.  Der Inhaber des ersten von unzähligen Imbissen, Restaurants, Cafes, Bistros, Eisdielen die an der Limmerstraße liegen, ist sich anscheinend nicht ganz sicher, denn er firmiert als Limmer Döner, und damit liegt er falsch, denn sein Laden gehört  noch zu Linden.

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Das Bild oben zeigt aber auch wie die Limmerstraße ist. Neben dem Döner-Laden, dass Fahrrad mit Kinderanhänger und natürlich auch der grüne Blitz der Linie 10. Was die wenigsten wissen, es gibt auch ein Lied über die Limmerstraße und wie heißt da der Eingangstext: Dönerduft und Straßenbahn der ganz normale Alltagswahn, überall nur Kinderwagen, Limmerstraße.  Ihr kennt diesen Hit nicht, dann hört mal rein: Link zum Hit

Kinderwagen0001 webJa, das ist Linden, ist die Limmerstraße heute. In den 50-igern, also die Zeit in der ich im Kinderwagen über die Limmerstraße geschoben wurde, wusste in Deutschland niemand was ein Döner ist, selbst Pommes waren noch fremd. Kinderanhänger in heutiger Form gab es nicht, wir waren irgendwie weniger windschnittig unterwegs. Statt eines grünen Blitzes waren noch alte Straßenbahnen der Linien 1 und 3 unterwegs.

 

 

 

 

 

Eine Ecke weiter macht es der Barbesitzer der Linden Bar deutlich besser. Ein Problem haben anscheinend aber alle Stadtteile, die Parkplatznot, hier wird geparkt wie Sau.

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Kaum zu glauben, aber spielende Kinder findet man noch heute an dieser Hauptverkehrsstraße. Es ist fast so, wie in meinen Kindertagen, als der Verkehr noch übersichtlicher war, als auf der Straße noch wirklich gespielt werden konnte. Ja, das alles ist mein Linden.

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Aber auch das ist Linden, ist die Limmerstraße. Was einige Schichten der Gesellschaft als vermüllt, dreckig und Schmierereien bezeichnen, dazu sagen die Bewohner des Viertels, „dass gehört dazu, das ist unsere Limmerstraße“. Ich denke, beide haben Recht, viele Türen und Graffitis haben künstlerischen Charakter, vieles ist aber auch für mich wildes „sprayen“, wobei gerade der Sprayer Detlef wenig künstlerisches zu bieten hat.

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Aber für mich dominiert auf der Limmerstraße das Kreative der Spraykunst.  

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Hinter der Pestalozzistraße kommt ein für mich besonderer Buchladen. In der Limmerstraße 85 befindet sich das Arte P. Früher, haben wir hier, in Rohbanis Buchladen, unsere Schulbücher gekauft. Heute ist es ein Buchladen mit einem starken Bezug zu seinem Stadtteil, wie man an der Schaufensterauslage erkennt.

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Etwas weiter war früher hier der erste Laden von Möbel Sonnemann. Heute ist hier Sonnenstudio und ein Weltladen. Beim alten Sonnenmann habe ich voller Stolz mein erstes großes Geld ausgegeben. Von meinem Konfirmationsgeld habe ich mir einen Schreibtisch gekauft, wie blöd muss ich damals eigentlich gewesen sein? Der Schreibtisch existiert noch heute und Sonnemann war jahrelang der Hauptsponsor von Ahlems erster Handballmannschaft, vielleicht war ich doch nicht so blöd.

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Wunderschöne Häuser stehen an der Limmerstraße, wenn ich da an sterile, gleichförmige Mietskasernen der 70-iger und 80-iger denke, weiß ich, warum Linden heute eine begehrte Wohngegend ist.

So langsam kommt der Köntnerholzweg, der für mich die Limmerstraße immer geteilt hat. Ab hier bis zum Küchengarten beginnt für mich das eigentliche Herzstück dieser sensationellen Straße.

Die rechtsseitigen Straßen zwischen Freizeitheim und Kötnerholzweg führen alle mehr oder weniger direkt zur Bethlehemkirche. Einem verwinkelten Bauwerk, das eigentliche Herzstück in Linden Nord. Über diese Kirche werde ich bestimmt in einem späteren Kapitel das ein oder andere Wort verlieren.

Für einen kurzen Zwischenstopp verlasse ich die Limmerstraße und gehe den Kötnerholzweg hoch, es zieht mich einfach in die Fröbelstraße. Als ich vor dem großen Gebäude der ehemaligen Albert-Schweitzer Schule stehe, kommen alte Geschichten hoch.

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Lieb und unbedarft wurde Klein Deti hier eingeschult und ich besuchte hier die Klassen 1 bis 4. Am Tag der Einschulung, die Schultüte war fast größer als ich selbst, war ich doch skeptisch vor dem, was mich dort erwartet.

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Aber in der Albert-Schweitzer Schule war alles noch harmlos, wenn ich an diese Zeit denke, dann gab es hier noch keinen Leistungsdruck, hier ging ich wirklich noch als Kind zur Schule. Allerdings wurde man auch nicht auf die böse Welt, die nach der Grundschule kommt vorbereitet, was sich für mich später doch nachteilig auswirkte.

Es gab z.B. eine Note für Schönschrift und ob ihr es glaubt oder nicht, hier hatte ich eine 1. Das wurde mir später zum Verhängnis, denn bei meinem ersten Diktat auf dem Gymnasium versuchte ich es auch mit Schönschrift, was leider zur Folge hatte, dass ich nur jedes zweite Wort mitbekam, denn Schönschrift dauert nun einmal. Also bekam ich eine 6 und da die Schönschrift nicht mehr benotet wurde, war es das letzte Mal in meinem Leben, das ich „schön“ geschrieben habe. Aber hier in der Albert-Schweitzer Schule war die Welt noch in Ordnung.

Das imposante Haus hat auch eine abwechslungsreiche Geschichte. Erbaut wurde es 1897 und diente als Schule, anfangs noch getrennt in einen Teil für die Mädels und einen für die Jungs. Ab 1927 wurde es dann eine sogenannte weltliche Schule, wo beide Geschlechter gemeinsamen Unterricht hatten. Von 1933 bis 1945 begann dann die braune Zeit des Gebäudes. Den Nazis war diese Form des Schulwesens ein Dorn im Auge und so wurde die Schule in ein Lager für ausländische Zwangsarbeiter umfunktioniert.

Nach dem Krieg hielt dann die Schule wieder Einzug ins Gebäude, die hier auch bis Mai 2012 Kinder auf das Leben vorbereitete. Allerdings soll es das Fach Schönschrift in den letzten Jahren nicht mehr gegeben haben. Seit 2012 wird das Haus das privates Wohnprojekt Stadtteilleben betrieben.

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Der Haupteingang             der ehmalige Schulhof

So, dass soll es für heute gewesen sein, die Beschreibung und die Geschichten zum nächsten Abschnitt der Limmerstraße, gibt es voraussichtlich zum nächsten Wochenende.  

  

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