Ich will starten, auf geht es nach Hornumersiel. Das gebe ich in den Navi ein, er findet nichts, Scheiße. Gut, der Ort soll klein sein, aber, dass er ihn nicht im Navi hat, macht mich doch stutzig, denn immerhin haben wir über Silvester/Neujahr 3 Nächte in dem Ort gebucht. Dunkel fällt mir ein, im Netz stand was von Wangerland, Wangerooge liegt ja auch direkt vor der Küste von Hornumersiel. Wangerland ist der Tussi im Navi bekannt, auch das Hotel Leuchtfeuer ist schnell gefunden. Über die B6 fahren wir gemütlich gen Norden und kommen nach 2 ½ Stunden am Ziel an. Am Ortsschild verharre ich, das Kaff heißt gar nicht Hornumersiel, sondern Horumersiel, das Problem war also nicht der Navi, sondern saß direkt davor.

Der Ort ist in der Tat übersichtlich, auf dem zentralen Platz, direkt vor unserem Hotel findet der Wintermarkt statt. Für die 8 Buden, die eine gute, gesellige Stimmung verbreiten, ist das Zentrum abgesperrt.

Im Hotel hat dann nicht alles geklappt, wir hatten eine Ferienwohnung gebucht, aber wir mussten ein Studio beziehen. Diese Studios sind allerdings nicht wirklich zu empfehlen, zumindest dann nicht, wenn man so wie wir zu viert ist und das Zimmer auch als Aufenthaltsraum nutzen möchte. Bei den angepriesenen 2 Schlafzimmern, handelt es sich bei einem um ein Durchgangszimmer, die Küchenzeile ist eher zur Zierde da und soll laut Hoteldirektion auch nicht genutzt werden. Es gibt 2 ½ Sitzgelegenheiten, für 4 Personen, einen „normalen“ Tisch gar nicht, sondern nur ein Beistelltisch. Zum essen und spielen gänzlich ungeeignet.

Die Zimmer kann ich nicht beurteilen, da ich keins gesehen habe, die Gäste des Hauses waren aber nicht unzufrieden, sodass ich davon ausgehe, dass die Zimmer ok sind. Die Bar ist klein, der Größe des Hauses angepasst. Der Speiseraum hat keinen wirklichen Charme und ist zweckmäßig eingerichtet.

Wir hatten mit Frühstück gebucht, welches von uns auch eine gute Note bekommt. Das Personal an der Rezeption und im Speisesaal war sehr freundlich, friesische Gelassenheit und Freundlichkeit sind Trumpf.

Am 2. Tag bekamen wir die gebuchte Fewo und eine Flasche Wein als Entschädigung. Die Geste war ok und da wir am ersten Tag nicht wirklich was im Zimmer machen wollten, haben wir es dabei belassen.

Doch zurück zum Ort. Ich war überrascht von der Vielfalt der Restaurants und auch sonst ist alles da, was man braucht. Mehrere Bäcker, Fisch-, Bekleidungs- und Stöberläden… Alles sehr zentral, echt toll. Im Netz hatte ich gelesen, das Restaurant Leuchtfeuer soll eine vorzügliche Küche haben. Es liegt außerhalb des Hotels und hat nichts mit dessen Speisesaal zu tun. Wir also hin, friesische Gemütlichkeit schallt uns entgegen, ja, hier wollen wir was für die Waage tun. Doch denkste, alles dicht, heute Abend geht hier nichts mehr und auch Silvester kannste vergessen. Ok, Pech gehabt, dass sagen wir uns noch 3 bis 4 mal in anderen Restaurants. Schließlich landen wir beim Italiener, wo wir nach kurzer Wartezeit einen Tisch bekommen.

Da mehrere Gäste warten, werden untereinander Scherze gemacht, so wird die Wartezeit lachend überbrückt. Die Leute hier sind alle entschleunigt und entsprechend gut drauf. Alle vier entscheiden sich für Nudeln, vier verschiedene Gerichte, viermal die Note 1.

Am nächsten Tag steht nach dem Frühstück der Umzug an. Wir beziehen die Fewo, ja, das ist das, was wir erwartet haben. Zwei Schlafzimmer, ein Bad, ein sehr schöner Wohnbereich mit Küchenzeile, direkt über dem Wintermarkt. Das Wetter ist friesisch herb, so wie das Jever, dass übrigens ein Monopol in Horumersiel zu haben scheint, man ist stolz auf sein Jever.

Mit Glück können wir für 20 Uhr noch einen Tisch im Restaurant Leuchtfeuer reservieren. Im Hotel Altes Zollhaus bekommen wir einen Tisch für Silvester 17:30 Uhr zum kleinen 4-Gänge Menü. Alles ein wenig umständlich, der Chef muss alles selbst machen, obwohl sein Personal erheblich fitter ist als er selbst, aber alles nicht schlimm, nur erstaunlich.

Dann starten wir zu einem Spaziergang, der allerdings sehr feucht wird. Irgendwann geht es zurück zur Fewo, dort wärmen wir uns auf, bevor es nach Jever geht. Das Wetter bessert sich nicht wirklich und die Feuchtigkeit kommt weiter von oben anstatt von innen, schade. Jever selbst hat uns nicht wirklich beeindruckt bzw. gefallen. Es war Samstag 13 Uhr und die meisten Geschäfte hatten bereits geschlossen, eine Stimmung wie etwa in Horumersiel kam nicht auf.

Abends dann das Essen im Restaurant Leuchtfeuer. Wir haben uns alle für Fisch entschieden, sei es die Vorspeise, Suppe oder Fischtappas, sei es die große Fischplatte oder ein einzelner Fisch als Hauptgericht, alles war sehr gut. Da auch noch die Bedienung passte, war es ein sehr gelungener Abend, nicht preiswert, aber absolut ok.

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Silvester stand dann ein Spaziergang in den nächsten Ort Schillig an (hin und zurück 5 km). Hin hatten wir Rückwind, zurück mussten wir die Jacken und Mäntel zumachen, damit wir nicht als Drachen ohne Schnurr durch die Gegend fliegen.

Das Essen im Alten Zollhaus war gut, wir mussten bis 19:30 Uhr das Restaurant verlassen, da ab 20 Uhr das große Silvestermenü serviert wurde. Alles ging ohne Stress ab, nur der Chef fiel durch sein, wie ich finde gestelztes und nicht passendes Auftreten auf. Ein typischer Vertreter der Gattung „Ich und sonst niemand“.

Den restlichen Abend verbrachten wir in der Fewo bei Wein, Bier und Kartenspiel, welches Gaby und ich verloren, kann ja mal passieren. Neujahr ging es zurück, wieder stressfrei über die B6.

Fazit: Horumersiel ist einen Besuch wert, auf erstaunlich wenig Raum wird viel geboten. Besonders das Essen im Restaurant Leuchtfeuer hat es mir angetan. Alles ist friesisch gemütlich. Wie gemütlich zeigt eine Aussage einer Verkäuferin in einem friesischen Bekleidungsladen. Auf meine Frage: „sie sind nicht von hier, wo kommen sie her und warum sind sie hier, am Ende der Welt“? Sagte die freundliche Verkäuferin: „ich komm aus Bayern, da ist es mir zu stressig, hier ist alles entschleunigt und gemütlich“. Und ich dachte immer, in Bayern ist es gemütlich, das teste ich mal in einer Woche, wenn wir beim Biathlon in Ruhpolding sind.