Reisebericht Harz zur Jahreswende 14/15

Gleich zu Beginn möchte ich feststellen, dass wir im Harz, in Hohegeiß schöne und erholsame Tage verbracht haben. Da ich diesen Bericht etwas lästerhaft formuliert habe, könnte man beim Lesen zu einer anderen Meinung gelangen, deshalb treffe ich diese Aussage auch am Anfang des Berichts.

Als wir vier uns überlegten, dass wir Silvester im Harz verbringen wollten, das wichtigste Kriterium für unsere Entscheidung war die kurze Anreise, deshalb hatten wir uns im Vorfeld auch nicht wirklich viel mit dem Zielgebiet beschäftigt. Schon bei der Buchung taten wir uns schwer, online wirklich das zu finden, was wir suchten. Anscheinend ist der Buchungskanal Internet noch nicht wirklich bei allen Hoteliers im Harz bekannt. Schon erstaunlich, passt aber zu Berichten, dass der Harz Tourismus auf dem Stand vor 40 Jahren stehen geblieben ist.

Trotzdem fanden wir letztendlich das 4 Sterne Vitalhotel Sonneneck in Hohegeiß und buchten es über HRS, zu einem nicht gerade günstigen Preis. Zumindest bei der Preisgestaltung trifft die Aussage mit den 40 Jahren nicht zu.

Hotel Sonneneck

 Nach der Buchung, die auch nicht kostenfrei stornierbar war, haben wir uns dann ein wenig  mehr mit dem Harz beschäftigt und stießen, wie oben bereits erwähnt auf kritische Berichte  zum Tourismus im Harz. Die Kritik traf vor allem den Westharz, den im Osten wurden doch  viele gute Investitionen in  die Orte und auch in die Hotels gesteckt. Zwar lasen wir auch über  eine riskante Investition über Schneekanonen am Wurmberg in Braunlage, aber  dazu später  mehr.

 Dirk und Anette fuhren als Vorhut bereits am 23.12. los. Irgendwie hatten  uns die Berichte  skeptisch gemacht und so waren wir alle 4 pessimistisch  und nicht wirklich sicher, ob wir  das Richtige gebucht hatten. Von diesem Pessimismus getrieben waren dann auch die  ersten Eindrücke der beiden  eher kritischer Natur und die Schilderungen bestätigten die  Behauptungen,  der Westharz hinkt den heutigen Standards hinterher.

 Kurz vor unsrer Anreise am 29.12. telefonierten wir dann noch einmal mit Dirk und Anette.  Der Bericht viel schon positiver aus, was uns natürlich froh stimmte. Nachfolgend habe ich  jetzt aber in lockerer Form ein paar Beispiele aufgeführt, die wir erlebt haben und die in das  lästerhafte Bild, der Westharz ist nicht „State of the Art“, passen.

Bei unserer Ankunft um kurz nach 13 Uhr gingen wir ins Hotel um unsere Ankunft anzumelden. Wir hatten den Fuß noch nicht ganz in die Tür gesetzt, da sprach uns eine Dame im weißen Kittel an und es entwickelte sich folgender Dialog:

Weißer Kittel: Anreise?

Deti: Ja

Weißer Kittel: erst ab 15 Uhr, steht auch in den Reiseunterlagen

Deti: Entschuldigung, wir wollten auch nur fragen, ob es möglich ist vorher einzuchecken

Weißer Kittel: Nein, ist auch niemand da

 

Ich war doch völlig von den Socken, über diese überaus unfreundliche Begrüßung und sagte das dem Wesen im weißen Kittel auch sehr direkt. Kleinlaut und auch reuig, ließ sie sich erklären, was sie falsch gemacht hat. Sie schloss diesen ersten Dialog dann mit den Worten, dass tut mir leid, sonst bin ich gar nicht so. Das kann ich auch bestätigen, denn die Dame arbeitet im Frühstücksservice und hat dort einen guten Job gemacht.

 

Was aber auffällig ist, und deshalb passt diese Geschichte auch in die 40 Jahre Aussage, in diesem 4 Sterne Hotel gibt es zwar einen Servicetresen, der als Rezeption dient, doch eine wirklich besetzte Rezeption hat dieses Haus nicht. Es kann geklingelt werden, dann kommt der Chef persönlich, wenn er im Haus ist. Er ist sehr behände, denn er ist neben Rezeptionschef, Büromaus, Schneeschipper, Handwerker und Barkeeper einfach das Mädchen für alles. Mir ist schon klar, dass es in einem Familienbetrieb anderes zugeht und auch zugehen muss, als in einem Großbetrieb, aber wie unser Beispiel zeigt, sollte ein vernünftiger Empfang gewährleistet sein, zumindest, wenn der Hotelier die 4 Sterne wirklich erfüllen will.

 

Aber um diese Geschichte noch positiv abzuschließen, möchte ich auch erwähnen, dass der weiße Kittel uns dann später doch noch gefragt hat, ob wir einen Kaffee haben wollen. Geht doch.

 

Abends waren wir dann in der Hütte gleich nebenan und hatten Spaß mit der Bedienung und der Wirtin Julia. Auffällig war, dass jeder Tisch nur einmal besetzt wurde und immer wieder Leute rausgeschickt wurden. Dabei hätte ein wenig mehr Flexibilität zu viel mehr Umsatz und auch Kundenzufriedenheit gesorgt. So zogen dann aber die nicht gewünschten Gäste ein wenig mürrisch von dannen. 

 

Der Höhepunkt der unprofessionellen Planung war dann der Silvesterabend.  Wahrscheinlich wussten die Inhaber selbst nicht, was sie wollten. Im letzten  Jahr hat das Engagement einer Band für ein Minus in der Kasse gesorgt.  Also erhielten wir auf die erste Anfrage eine Absage, das bringt ja doch  nichts. Schon komisch, denn man hat mit der Sonneneckhütte die beste  Lokation für eine gelungene Silvesterfeier im ganzen Ort.  

 

Dann kam aber doch eine Zusage, es sei alles nur ein Missverständnis. Wir  bestellten also unseren Tisch. Bei unserem Eintreffen waren alle Tische eingedeckt, unseren Tisch bekamen wir aber nicht, er war auch für 6  Personen eingedeckt. War aber nicht schlimm, wenn es voll wird ist die  Stimmung ja bekanntlich besser. Letztendlich waren wir aber fast alleine in  der Hütte, man hatte halt nicht für den Abend geworben und setzte  anscheinend auf die Gäste, die man tagtäglich weggeschickt hatte. Wir  hatten trotzdem unseren Spaß.

 

Auch wenn man durch die Städte geht, mit Ausnahme von Goslar, denkt man an die siebziger Jahre, in denen die letzten Neubauten entstanden sind und das blöderweise auch oftmals völlig unpassende Hochhäuser. Ein schönes Beispiel für das Verharren in der Vergangenheit, ist das Cafe Wedler in Hohegeiß, hier wäre schon der Charme der 70-iger ein Fortschritt, es ist alles unverändert, gefühlt ist hier noch alles so wie vor dem zweiten Weltkrieg. Natürlich gibt es auch positive Beispiele, wie z.B. das Cafe Antje in Hohegeiß, welches mit viel Liebe zum Detail eingerichtet ist.

 

Cafe Wedler 

In den Medien wird auch gerade viel über die riskante Investition über eine Beschneiungsanlage am Wurmberg in Braunlage berichtet. Solche Investitionen sind zwar riskant, sind aber nach meiner Meinung notwendig. Wenn ich aber sehe, wie man dann damit umgeht, wage ich zu bezweifeln, dass es eine Erfolgsgeschichte wird, zwei Beispiele dafür.

 

Nachdem wir beim Hexenberg angekommen waren, gestartet waren wir zu unserer ca. 2-stündige Wanderung an der Wurmbergbahn, gingen wir in die dortige Hütte, die erste dieser Art in Braunlage, vielleicht sogar im ganzen im Harz. Betrieben wird die Hütte von unserem Hotelier mit seiner Julia. Die Hütte ist schön, es könnte richtige alpine Stimmung aufkommen. Doch unser fleißiges Paar will die Hütte, direkt im Skigebiet, wie ein normales Restaurant betreiben. Also wird die Eingangstür geschlossen, wenn alle Tische besetzt sind, ob nun der 4-er Tisch mit einer oder mit vier Personen besetzt ist, ist dabei egal. Auch gibt es keine Bedienung für die Außenplätze, die Gäste die da sitzen kommen aber natürlich auch nicht rein, da die Tür geschlossen ist. Kundenunfreundlicher und dämlicher kann man einen solchen Betrieb wirklich nicht führen. Dass wir nicht alleine mit der Meinung sind, machten uns die Kommentare der Ausgesperrten deutlich.

 

Als letztes Beispiel für die Unfähigkeit der Harzmanager möchte ich dann die Liftbetreiber erwähnen. Dirk hatte die tolle Idee mit dem, Sessellift hoch zum Wurmberg zu fahren und dann mit der Wurmbergbahn zurück zu unserem Ausgangspunkt. Also stellten wir uns am Kassenhäuschen an und wollten 4-mal Berg- und Talfahrt für Nichtskifahrer. Die überraschende Antwort kam sofort, Nichtskifahrer werden nicht befördert. Egal wo in den Alpen, eine solche Antwort haben wir noch nicht erhalten. Vielleicht sollten wir mal bei einem Schlepplift nachfragen, dort wäre eine solche Antwort wenigstens nachvollziehbar. Aber im Harz kann man es sich halt erlauben, man hat halt so viele Schneetage, da braucht man eben nicht jeden Kunden.

 

Wie bereits oben geschrieben, es waren schöne Tage, aber die Manager im Harz müssen noch viel lernen, wenn man wieder Kunden für die Harzregion gewinnen will.    

 

 

 

    

  

Kommentar schreiben

Bitte halte Dich an die Regeln für Kommentare.


Sicherheitscode
Aktualisieren