Das Abschmücken


Oh je, oh je, oh je. Eben noch stand ich stolz im warmen Wohnzimmer, behangen mit internationalem Schmuck aus der ganzen Welt. Eine Kugel aus New York, ein Heißluftballon aus San Francisco, ein Pinguin vom Ende der Welt und ein Fisch aus Wolfsburg schmückten mein edles Grün.

Welch Wandel in Minuten, gerade noch die Lichterkette angemacht, Herzenswärme vorgetäuscht, mich in Sicherheit gewogen, mich gar glücklich gemacht, doch dann ging es los. Gnadenlos und ohne jedes Mitgefühl wurde mir mein Schmuck innerhalb kürzester Zeit entrissen. Schamgefühle kennen die nicht, diese, diese besackten zweibeinigen Ungeheuer. Ich fühlte mich so nackt, ich fühlte so alleine unter gnadenlosen Aufräumern.

 

Wenn jemand denkt, das war der Gipfel der Herzlosigkeit, nein, der sollte noch kommen.  Da mein stolzer Wuchs zu mächtig war für die Ausgangstür, wurde an mir gezerrt und gezogen um mich durch dieses hohle Tor zu befördern. Aller Widerspruch alles Wehren, nichts half, ich lag draußen. Die edlen Tannen wurden über die Steine gezogen um mich im Vorgarten abzulegen. Ich wurde abgelegt ohne Abschied, ohne ein „danke schön“, einfach nur abgelegt.  

Und jetzt, jetzt liege ich hier in der Kälte, der dämliche Schnee lässt mich gefrieren. Ich weiß genau was kommt, ich warte hier bis zum großen Tag der Wiedervereinigung aller Tannenbäume. Ich warte, bis der große Wagen kommt, mich zu den Kumpels wirft und uns zum großen Schredder bringt. Die Hoffnung bleibt, noch die Lissy oder den Karl aus der alten Schonung zu treffen, aber ob sich die wirklich erfüllt, ich kann nur hoffen.

Ich glaube es ist nicht an mir danke zu sagen, ungehobeltes Menschenpack.

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