100 Tage ohne Hamsterrad

Das Wichtigste zuerst, uns/mir geht es hervorragend und alles was Gaby und ich bezüglich unseres aktuellen Lebensabschnitts geplant hatten, war bis heute gut und richtig.

Falls sich jemand fragt, wie ich zu den 100 Tagen komme, der Zeitraum vom 30.09.2015 bis zum 16.03.2016 ist ja länger als 100 Tage. Ok, Deti und Zahlen, war noch nie sein Ding, doch ganz so schlimm ist es nicht. Ich rechne ab 07.12.15, dem Tag unserer Rückkehr aus Südamerika. Die Reise war zwar auch Teil der Planung des neuen Lebensabschnitts, ist aber kein Alltag und um genau den geht es in diesem Artikel.

Meine wichtigsten Erkenntnisse

Erst im Nachhinein habe ich gemerkt, wie das Thema Verantwortung auf meinen Schultern lastete und mich belastete. Heute ist es einfach nur schön, wenn ich morgens wach werde und ohne TUI Traum durchgeschlafen habe. Zu meiner aktiven Zeit kam es doch häufig vor, dass ich mir Gedanken über irgendeine nicht nachvollziehbaren Entscheidung, ein Gespräch oder Ähnliches machte. Gerade das mit den nicht nachvollziehbaren Entscheidungen soll heutzutage ja nicht unbedingt weniger und leichter geworden sein. Ja, diese Dinge haben mich früher nicht gut schlafen lassen, so etwas kenne ich heute (fast) nicht mehr. Erkenntnis 1: ich schlafe besser.

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Eine weitere Erkenntnis ist die, dass ich erst jetzt merke, wie fremdgesteuert ich jahrelang gelebt habe. Das fing morgens an, da meinte ein Wecker mich wecken zu müssen. Heute wird dieses schrille Gerät nur noch im Einzelfall eingesetzt. Vielmehr ist es mein Körper der sagt, Deti, es ist Zeit den Leib zu erheben, zumindest bis zum Sessel nach unten. Die Fremdbestimmung setzte sich über mein Outlook fort, 15 Minuten vor dem ersten Termin machte es „piep“ und ließ mich in den abarbeitenden Modus übergehen. Dieser Modus hielt den ganzen Tag an, irgendwie wie im Rausch, den ich früher allerdings nie als solchen wahrgenommen habe. Dieser Modus ist mir heute gänzlich abhanden gekommen. 

Es ist ein großartiges Gefühl, wenn man sich nicht als Marionette fühlt, an deren zwei Führungshölzern 25 Menschen versuchen den Dominator zu spielen. Obwohl 25 Dominatoren vielleicht besser sind, als einer alleine, der alle vorhandenen Marionetten selbst lenken möchte und auch noch glaubt das zu können und gut zu machen. Aber woher soll er wissen, dass er es besser machen könnte, denn die sehr gut ausgebildeten, loyalen Marionetten werden dem Dominator die Wahrheit nicht sagen oder nicht sagen dürfen. Erkenntnis 2: ich bestimme und gestalte mein Leben selbst, das befreit und macht Spaß.

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Es gibt ja auch den Spruch, „Rentner haben nie Zeit“. Ich bin zwar noch kein Rentner, aber mein Tagesablauf ist schon identisch mit dem der Angestellten der Rentenversicherungsanstalt. Für mich trifft dieser Spruch nicht wirklich zu, obwohl ich viel unternehme, also „Termine“ habe und mein "Kalender" oft voll ist. Aber ehrlich, wenn ich früher was in 10 Minuten erledigt habe, nehme ich mir heute dafür 1 Stunde Zeit. Das führt dazu, dass ich Sachen nicht nur abarbeite, sondern sie manchmal sogar verstehe. Natürlich mache ich heute auch Sachen, für die ich früher keine Zeit hatte und die mir heute Spaß und Freude bringen. Erkenntnis 3: Ich lasse es ruhiger angehen und erlebe deshalb vieles entspannter und intensiver, was meistens positiv ist.

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Aber nicht alles was man intensiver erlebt, macht sich letztendlich positiv bemerkbar. Ich hatte mich z.B. darauf gefreut, dass ich mehr Zeit habe die Tageszeitung zu lesen. Das sehe ich in der Zwischenzeit anders und das hat nichts mit dem schlechten Abschneiden von 96 zu tun. Ich war mir natürlich auch früher bewusst, dass viele, heutzutage die meisten (?), Politiker ähnlich schlecht und selbstsüchtig agieren, wie es auch in der Branche der Topmanager oftmals der Fall ist. Aber jetzt, nach täglichen, intensiven Zeitungsstudium, wird mir das gesamte Ausmaß des Versagens immer deutlicher. Will ich das wissen, muss ich das wissen? Auch wird mir von Tag zu Tag deutlicher, wie wir von den Medien manipuliert werden und wie wenig man dagegen machen kann. In der Zwischenzeit lese ich die Tageszeitung fast schon wieder so oberflächlich wie früher.Erkenntnis 4: Manchmal lebt es sich leichter, wenn man nicht alles sieht, alles weiß oder sogar glaubt alles zu verstehen.

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Ich glaube nicht, dass einer der drei auf dem Foto alles sieht, alles weiß oder alles versteht. Vielmehr erinnert mich das Bild an drei pelzige Tiere, die eben nichts sehen, nichts hören und nichts sagen (verstehen). Da ich sehr genau weiß, dass es den dreien am Tag des Fotos sehr gut ging, ist es manchmal besser, definitiv nicht immer, nach dem Motto der drei bekannten Figuren zu leben. 

Ich glaube, ich habe mich gut auf den jetzigen Lebensabschnitt vorbereitet. Trotzdem war ich überrascht, wie schnell es geht, das man draußen ist. Draußen aus einem Teil seines alten Lebens, der bis dahin ein fester Bestandteil des eigenen Tagesablaufes war. Ich glaube, wenn ich mich nicht so gut darauf vorbereitet hätte, wäre ich doch nachhaltig geschockt gewesen. So war es zwar eine Überraschung für mich, wie schnell das geht, aber letztendlich hat es mir sogar sehr geholfen. So habe ich den beruflichen Teil schnell hinter mir gelassen. Erkenntnis 5: Wer raus ist, ist raus und sollte zufrieden sein und sich nicht an alten Zeiten festklammern.

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Fazit: Das Leben ist schön, das Leben war schön, denn alles hat seine Zeit. Habt Spaß, wann immer es geht, ich hatte und habe ihn.

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Deti bei der Arbeit, 1987 in der DomRep   Deti privat 2015 in Ecuador

 

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