Die Gilde der Saubermänner

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Jetzt ist es wieder soweit, Deti regt sich bei der täglichen Lektüre der HAZ auf. Gut werdet ihr sagen, dass kann man sich jeden Tag, zumindest seitdem diese unerträgliche Locke die USA in eine Bananenrepublik umwandelt, aber bei dem habe ich mir vorgenommen, mich nicht aufzuregen. Leider gelingt mir das nicht ansatzweise.

Aber um ihn geht es nicht, es geht um den Vorstandsvorsitzenden Matthias Brückmann des  Oldenburger Energieversorgers EWE. Dieser Mann hat vor einem Jahr seinen Job angetreten und als eine seiner ersten Entscheidungen hat er etwas abgeschafft, für das ihn jeder Compliance Beauftragte beglückwünscht hat. Bei der EWE war es üblich, dass neben dem etwas größer angelegten Sportsponsoring für die Oldenburger Handballerinnen und der Unterstützung des eigenen EWE Segelteams, den Managern ein Budget für „Kleinsponsoring“ zur Verfügung stand. Mit diesem Kleinsponsoring konnten die Manager, die Zugriff auf das Budget hatten, z.B. Ortsvereine der freiwilligen Feuerwehr, Sportvereine oder Jugendeinrichtungen unterstützen. Dabei wird es garantiert zu unglaublichen Schiebereien gekommen sein, dass ein Manager seinen eigenen Verein mit 2000,- € unterstützt hat. Der gute Brückmann musste also handeln.

Ja ich weiß, wehre den Anfängen und so ganz richtig ist das auch nicht, obwohl ich fest davon überzeugt bin, dass etliche der Mitglieder des unterstützen Vereins auch genau aus diesem Grund Kunden der EWE waren und vielleicht auch noch sind. Als  ich noch Sponsoring für unseren Handballverein gemacht habe, habe ich mir mein neues Fahrrad auch beim örtlichen Fahrradhändler gekauft, der uns mit 300,- DM im Jahr unterstützt hat.

Wenn es bei der EWE also ähnlich gelaufen ist, hat die „Spende“ EWE als Unternehmen Vorteile gebracht, und darum geht es dem Unternehmen ja. Aber natürlich ist das nur Kleinvieh und der gebende Manager hat bestimmt nicht überprüft, ob eine Spende an die Nachbargemeinde 1,23 € mehr Deckungsbeiträge gebracht hätte. Dadurch hat er natürlich für sich persönlich einen Vorteil geschaffen und das ist mit modernen Compliance-Regeln nicht vereinbar.

Gut, soweit hatte ich das Thema Compliance auch schon zur Kenntnis genommen, obwohl ich es nicht wirklich akzeptieren konnte. Doch die Geschichte geht weiter. Matthias Brückmann dieser vorbildliche Ehrenmann, der jegliches Geschummele und unnötige Geldausgaben in seinem Unternehmen nicht haben möchte, engagierte Witali Klitschko für eine Veranstaltung. Ohne das der gute Witali bislang jemals nach Oldenburg gekommen ist, bezahlte Brückmann aus der EWE Kasse 253000,- € Antrittsgeld für den Ukrainer.

Das gefiel dem Aufsichtsrat der EWE nicht wirklich und überraschenderweise fragte die oberste Institution auch nach, will sagen, machte ihren Job. Laut Brückmann scheiterte der PR-Auftritt Witalis bislang an Terminschwierigkeiten seitens des Ex-Boxers. Leider konnte ich nicht erkunden, welcher Art der PR Auftritt Klitschkos sein sollte, ich bezweifele aber, dass dieser Auftritt dem EWE mehr Deckungsbeiträge, Kunden bzw. Kundenzufriedenheit eingebracht hätte, als das so ungeheuerliche Kleinsponsoring. Aber beweisen kann ich es natürlich nicht.

Diese Geschichte wirft für mich mehrere Fragen auf:

  1. Ist es wirklich anrüchig, kleine Institutionen unbürokratisch zu unterstützen? Ich denke nein, wenn ein gutes Prüfverfahren durch eine Revision gegeben ist, werden Manager aufpassen, ihre eigenen Interessen nicht überdimensional zu unterstützen. Wenn so eine Revision funktioniert, braucht es auch keinen langwierigen Genehmigungsprozess, das gibt dem verantwortungsbewussten Manager Freiheiten. Solche Freiheiten fördern auch den Spaß des Managers am Job, dass führt zu Zufriedenheit und Zufriedenheit führt auch zu besseren Ergebnissen in seinem Verantwortungsbereich. Natürlich kommt gleich der Einwand, aber es muss doch Regeln geben. Ja, die beginnen aber nicht bei 25,-€, wie heute bei den meisten Compliance-Richtlinien. Aber der Revisionsprozess muss natürlich stimmen.
  2. Auf Compliance wird auf allen Ebenen unterhalb eines Vorstands großen Wert gelegt, immerhin haben ja Großunternehmen wie Siemens viel unter den Bestechungsgeschichten gelitten, aber der selbstherrliche Vorstand selbst, macht natürlich sein Ding. Da hilft es wenig, wenn, wie im geschilderten Fall von EWE, Brückmann nach dem Tadel durch den Aufsichtsrat, eine nachhaltlose Aufklärung veranlasst hat. Allein sein erster Kommentar bezüglich Witalis Terminschwierigkeiten, stellt die gesamte Aufklärung schon im Vorfeld als Absurdum dar. Ich weiß, ich habe diesen Punkt sehr allgemein formuliert, das habe ich auch mit voller Absicht gemacht, denn ich glaube, so wie es bei der EWE ist, ist es in vielen Unternehmen, der Unternehmensleiter ist oft zu selbstherrlich um die eigenen Unzulänglichkeiten zu erkennen. Aber natürlich trifft das nicht für alle Konzerne zu, aber doch für zu viele. Schon in Niedersachsen gibt es mehrere davon.
  3. Geht es immer nur „groß“? Für manche Vorstände, die gehaltlich leider in anderen Sphären schweben, anscheinend ja. Ich dagegen denke, manch lokaler Bezug zu einer Jugendeinrichtung, Sportverein etc. tut auch großen Konzernen gut und sollte nicht allein dem Mittelstand überlassen werden. Aber kann man das von einem globaldenkenden, viel zu gut bezahlten Vorstand/Manager verlangen? Ich sage ja, überschätze damit aber wahrscheinlich die geistigen Möglichkeiten eines oben angekommenen Menschen.

So, jetzt geht es mir besser.   

Nachtrag: In der Zwischenzeit hat der Aufsichtsrat seinen Job gemacht und Matthias Brückmann entlassen. Glückwunsch an den Aufsichtsrat.

 

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