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Deutschland ist Handball-Europameister

oder

Der Unterschied zwischen Bergführer und Bergmanager

Yeah, boah, sensationell, Weltklasse, solche Töne waren in den letzten 14 Tagen immer wieder aus der Donjupp-Arena in Ditterke zu hören. Ditterke der Ort am Benther Berg ohne Taxenstand und ohne Nachtbus.

Anlass dieser unbändigen Leidenschaft waren die deutschen Spiele bei der Handball Europameisterschaft in Polen. Internationale Atmosphäre kam durch griechische Verpflegung von Theo und den Havanna Club auf. Aber auch die lokale Seite war durch Ponys von Herri gesichert. Gerade beim Endspiel unterstütze eine 11-köpfige Gruppe die deutsche Mannschaft mit fachlich fundierten Kommentaren.

Der letztendlich deutliche Endspielsieg kann getrost als Sensation bezeichnet werden. Doch wie kann es zu einer solchen Sensation kommen? Eine Mannschaft nur mit Frischlingen, in der noch vor Turnierstart viele Spieler als „Blinsen“ bezeichnet wurden. Die Antwort ist einfach, da war ein Team auf dem Spielfeld und zwar ein wirkliches Team, nicht nur eine Gruppe die sich Team nennt oder als solche bezeichnet wird.

In den Zeitungen von heute ist zu lesen: „eine Mannschaft ohne Stars“. Das ist aus meiner Sicht nicht richtig, denn die Mannschaft, das Team hat einen Star und das ist der Trainer Dagur Sigurdsson. Dieser Mann ist Teil des Teams und hat die Mannschaft auf den Erfolgsberg geführt. Er hat den Teamgedanken gelebt, er hat den Spielern Spaß vermittelt.

Das Beispiel dieser Mannschaft zeigt mir wieder, zu was Menschen in der Lage sind, wenn sie im Team agieren und Spaß haben, an dem was sie tun. Das gilt nicht nur im Sport, das gilt auch im Job und im sonstigen Leben.

Aber gerade im Job verkommt dieser Teamgedanke, gemeinsam sind wir stark, immer mehr. Das größte Problem ist, dass es nicht viele Bergführer wie Dagur Sigurdssons gibt. Zwar sprechen viele Manager von „meinem Team“, doch wenn sie selber im Team mitspielen sollen, dann versagen sie hoffnungslos. Sie sind keine Bergführer, sie sind Bergmanager. Sie lassen sich per Helikopter auf den Gipfel fliegen und geben von dort Anweisungen, wie man die Steilwand am besten überwindet. Leider waren sie nie in einer Steilwand und deshalb fehlt ihnen die Erfahrung.

Wenn diese Bergmanager von „meinem Team“ reden, wird vielen in diesem Team schlecht und automatisch reduziert sich der Einsatzwille, der Spaß und damit der Erfolg. Warum das so ist? Natürlich merken die Teammitglieder sehr schnell, dass der Bergmanager per Helikopter auf den Gipfel geflogen ist und ihm jegliche praktische Erfahrung fehlt. Also reagiert das Teammitglied wie oben beschrieben und es bildet sich kein wirkliches Team heraus, auch wenn es aus Sicherheitsgründen nach außen vorgespielt wird.

Da der Bergmanager auch noch die Anweisung gegeben hat, dass der, der zuerst den Gipfel erreicht, eine Sonderprämie bekommt,  geht das Mit- und Füreinander verloren. Da diese Sonderprämie natürlich im Nachhinein noch gestrichen wird, verlieren auch die „Erfolgreichen“ schnell die Lust.

Das ist natürlich blöd für den Bergmanager, der jetzt um seine eigene Prämie fürchten muss. Also engagiert er externe Berater, die das Buch „Wie motiviere ich Mitarbeiter“ schon mindestens zweimal gelesen haben. Natürlich wird in diesem Fall auf den Eignungstest, das AC (Assessment Center) verzichtet. Dieser Berater oder besser dieser Consultant sagt dem Bergmanager jetzt, er muss ein Kulturprogramm auflegen, Ringelpitz mit anfassen oder so. Gesagt getan, der Bergmanager ist ja eine Person der Tat. Leider bleibt der Erfolg aus, denn ein Team schafft man nicht künstlich, ein Team entsteht von innen und wenn man Bergführer wie Dagur Sigurdsson hat. Bergführer die die Aufgabe vorleben, die authentisch sind. Nur so hat man Spaß, nur so hat man Erfolg.

Erfolg mit einem Team habt ihr nicht mit Worthülsen sondern nur mit nachvollziehbaren Taten. Diese Taten können bei genügend Erfahrung auch mal spontan sein, sollten aber doch auch ein wenig durchdacht sein. Alles was bei Bergmanagern, die mit geschickten Formulierungen um sich werfen, aussieht wie ein Erfolg, ist nur ein kurzfristiger Schein.

Also liebe Bergmanager, nehmt euch ein Beispiel an der deutschen Handballmannschaft und Dagur Sigurdsson, werdet Bergführer, geht den Weg mit eurem Team. Vermittelt dem Team glaubhaft und mit Spaß eure Philosophie, lernt aber auch von eurem Team. Wenn ihr dann in die Steilwand kommt ist das Team für euch da und ihr habt mit dem Team gemeinsam Erfolg.

Ich möchte mich bei der deutschen Handball Nationalmannschaft und beim Bergführer Dagur Sigurdsson bedanken. Auch meiner alten Freundin und Exkollegin Pachi möchte ich „danke“ sagen, denn sie hat den Vergleich Bergführer / Bergmanager gestern in unserer Diskussion gebracht und mich so zu diesem Artikel inspiriert. Ebenfalls danke an Donjupp, Carola und Ani, die in der Ditterkschen Donjupp Arena nicht nur für gute Stimmung gesorgt haben, auch die Verpflegung war wie immer hellenisch Top. 

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